90 Jahre CAMEXA

Eine kurze Chronik der AHK Mexiko

1929 wird die Deutsche Handelskammer in Mexiko gegründet. Bei der Gründung zählt sie 138 Mitglieder.

Die Aufgaben der Kammer bestehen laut Satzung in der Wahrnehmung der Mitgliederinteressen „allgemeiner Natur” bei den Behörden in Mexiko und in Deutschland, der Erteilung von Auskünften an die Mitglieder über Post-, Zoll-, Währungs- und Steuergesetze sowie über „Handelsangelegenheiten”. Beitrittsberechtigt sind in Mexiko ansässige deutsche und österreichische Unternehmen; Bedingung für die Aufnahme einer Firma ist ihre „absolute Ehrbarkeit”.

Die Kammergründung folgt den Bestrebungen, den vor dem Ersten Weltkrieg dynamischen Güteraustausch wieder auszubauen. Der Handel hatte sich seit den 1820er Jahren gut entwickelt; in der Amtszeit des Präsidenten Porfirio Díaz (1876-1911) gab es einen umfangreichen Technologietransfer von Deutschland nach Mexiko.

Historische Eindrücke (Teil I)

Die Impulse für den zunehmenden Warenverkehr aus Deutschland nach Mexiko kommen in den nächsten Jahren von der kaufkräftigen mexikanischen Mittelschicht, die sich nach der Revolution allmählich heranbildet.

Der Zweite Weltkrieg bringt den Handel erneut zum Erliegen. Ab 1949 nimmt er wieder Fahrt auf. Dies findet sein Echo bereits 1954 in einer Leistungsschau der deutschen Industrie auf dem Gelände der nationalen Universität UNAM in Mexiko-Stadt. Parallel wächst auch das Dienstleistungsangebot der Kammer für Unternehmen aus beiden Ländern. So werden Geschäftsmöglichkeiten in regelmäßig erscheinenden Bulletins veröffentlicht und die Repräsentanz deutscher Messegesellschaften ausgebaut. Höhepunkte in der Kammerarbeit sind 1973 die Organisation der Industriemesse FIMA (Feria del Intercambio Mexicano-Alemán) und 1981 die Expo Técnica Alemana mit jeweils mehr als 200 Ausstellern. 

Die gewachsene Präsenz der deutschen Industrie sowie ihre bilaterale, in beide Richtungen wirkende Funktion, findet Ausdruck in einem erweiterten Namen der Kammer: Sie ist nun die Deutsch-Mexikanische Industrie- und Handelskammer. Unter der Abkürzung ihres spanischen Namens Cámara Mexicano-Alemana de Comercio e Industria ist sie fortan in Mexiko bekannt: CAMEXA.

1994 kommen 400.000 Besucher zur Leistungsschau der deutschen Industrie „Technogerma“ in Mexiko-Stadt. Auch hier ist die Kammer Mitorganisator. Mit dem Inkrafttreten des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA zwischen Mexiko, den USA und Kanada 1994 ist Mexikos Phase des geschlossenen Marktes endgültig beendet. Das Freihandelsabkommen mit der EU, das im Jahr 2000 in Kraft tritt, macht Mexiko schließlich zum weltweit einzigen Fertigungsstandort, der freien Handel mit den USA und der EU ermöglicht. Dieser Standortvorteil zieht eine erneute Investitionswelle deutscher Unternehmen nach sich. Von der ersten orientierenden Marktstudie bis zur Beratung bei der Standortwahl begleiten die Experten der Kammer viele dieser Unternehmen. 



Das erste und bisher einzige German Centre
auf dem amerikanischen Kontinent wird 2001 in Mexiko-Stadt eröffnet. Das von der Landesbank Baden-Württemberg getragene Haus ist Beleg dafür, dass Mexiko für Deutschlands Mittelständler eine immer größere Bedeutung hat.

Nachdem die Kammer die sich in ihrem Eigentum befindlichen Büroräume in Bosques de las Lomas in der Hauptstadt vermietet hat, zieht sie ins German Centre Mexico um. Ehrengast bei der Einweihung der neuen Geschäftsräume ist Bundespräsident Johannes Rau.

Historische Eindrücke (Teil II)

2004 feiert die AHK Mexiko mit Ehrengast Bundeskanzler Gerhard Schröder das 75jährige Bestehen:

Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt 2008 gemeinsam mit Mexikos Präsident Felipe Calderón Hinojosa sowie 2016 mit Präsident Enrique Peña Nieto an Wirtschaftssymposien teil, die von der AHK Mexiko organisiert werden. Dabei geht es u.a. um eine engere deutsch-mexikanische Kooperation bei den Herausforderungen der Industrie 4.0.

Zum 80jährigen Bestehen der Kammer im Jahr 2009 kann der AHK-Geschäftsführer Johannes Hauser (links im Bild) den Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben (3. von rechts), begrüßen.

2010 wird die Leistungsschau der deutschen Wirtschaft „Expo Hecho en Alemania" durch die von der Kammer organisierte 12. Lateinamerika-Konferenz der Deutschen Wirtschaft ergänzt. Eng eingebunden ist die Kammer auch in die Organisation der zweiten „Expo Hecho en Alemania“, die den Höhepunkt der Wirtschaftsbeteiligung am Deutsch-Mexikanischen Jahr 2016-2017 markiert.

Immer wichtiger wird für Mexikos Unternehmen die Diversifizierung des Außenhandels, um die große Abhängigkeit vom US-Markt zu mindern. Eine wachsende Zahl nutzt die von der AHK Mexiko repräsentierten internationalen Messen als Instrument für den Einstieg in neue Märkte.

Eine eigene Abteilung der Kammer widmet sich der Berufsausbildung. Ist die Kammer seit jeher in die deutsche duale Ausbildung eingebunden, so beteiligt sie sich ab 2013 auch am Aufbau eines mexikanischen Ausbildungsmodells und trägt so zur Verringerung des Fachkräftemangels in den Industrieregionen des Landes bei. Gemeinsam mit anderen deutschen Organisationen beraten die Experten der AHK Mexiko staatliche und privatwirtschaftliche Partner bei Fragen der Ausarbeitung und Implementierung des Modells. Auch der Regierungswechsel im Jahr 2018 stellt die Kontinuität des Projekts nicht in Frage.

Der DIHK-Hauptgeschäftführer Martin Wansleben (rechts vorn) und der Geschäftsführer des mexikanischen Unternehmerverbandes CCE, Luis Miguel Pando Leyva, unterzeichnen im Mai 2017 unter den Blicken des damaligen Außenministers Sigmar Gabriel (stehend, 2. von rechts) die Vereinbarung über die Zusammenarbeit von AHK Mexiko und Unternehmerverband CCE bei der dualen Berufsbildung.

Im Binnenleben der Kammer ermöglichen jetzt neu geschaffene Fachkomitees einen besseren Austausch der Mitglieder untereinander. Sie stoßen auf große Resonanz und werden nicht nur in der Hauptstadt, sondern zunehmend auch in den anderen Industrieregionen des Landes angeboten.

Denn um dort präsent zu sein, wo die Mitglieder sind, hat die Kammer neue Niederlassungen eröffnet: Verfügte sie bereits seit zehn Jahren über Repräsentanzen in Puebla-Tlaxcala sowie in der Bajío-Region, so ergänzen ab 2015/2016 Repräsentanzen in Nordmexiko mit Sitz in Monterrey und in Jalisco mit Sitz in Guadalajara das Angebot. Ein eigenes Büro ersetzt die Repräsentanz in der Stadt Querétaro und betreut die Kammermitglieder in den Bajío-Bundesstaaten Querétaro, Guanajuato, San Luis Potosí und Aguascalientes nun noch direkter.

Wirtschaftlich ist Deutschland weiterhin Mexikos wichtigster Handelspartner in der EU, während zugleich Mexiko das wichtigste Empfängerland deutscher Exporte nach Lateinamerika ist. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der deutsch-mexikanische Warenverkehr bis 2018 auf knapp 22 Milliarden Euro verdoppelt. 

Historische Eindrücke (Teil III)

Die gewachsene Rolle Mexikos als wichtiges Industrieland führt zur Einladung als Partnerland der Hannover Messe 2018. Die Kammer ist mit einem Stand sowie bei verschiedenen Symposien vertreten und berät an Mexiko interessierte Unternehmer.

Der Produktionsbeginn von Audi im Bundesstaat Puebla im Jahr 2016, von Merecedes-Benz in Aguascalientes 2018 und von BMW 2019 in San Luis Potosí markieren weitere wichtige Abschnitte der deutschen Industrieaktivitäten in Mexiko. Im Zuge der Werkseröffnungen kommt es zur Ansiedlung neuer Zulieferbetriebe bzw. zum Ausbau der Kapazitäten der bereits anwesenden Firmen. Auch ihnen steht die Kammer in vielen Fällen beratend zur Seite. 

CAMEXA hat sich in den 90 Jahren ihres Bestehens zum zentralen Scharnier in den deutsch-mexikanischen Wirtschaftsbeziehungen entwickelt. Heute ist sie mit über 800 Mitgliedern die zweitgrößte bilaterale Handelskammer in Mexiko. Sie verleiht den Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen eine Stimme, die in Mexiko und Deutschland gleichermaßen gehört wird.

Autor: Björn Lisker 

unter Verwendung von Texten von 
Hartmut Schneider, 
Dr. Irene Lorisika 
und Johannes Hauser. 

Stand der Informationen: 2019